Zusammenstellung und Randnotizen:



Matthias Breusch, Jahrgang 1964, aus der Art geschlagener Spross einer verirrten Odenwälder Seitenlinie des Literaturpreisverursachers Georg Büchner und eines untergegangenen Elsässer Raubrittergeschlechts, das sich nach einer Überdosis aus Postkutschenüberfällen und Jungfrauenkidnappings zuerst blöd- und dann totgesoffen haben soll.
Aufgewachsen in der oberhessischen Metropole Alsfeld und an der Westender Straße in Duisburg-Meiderich, von 1988 bis 1992 Reporter und Redakteur des Balltreterfachblatts RevierSport, ab 1989 parallel Redakteur des Dortmunder Metal Hammer, von 1992 bis 2003 Textchef, Autor, Übersetzer, Newsredakteur und Leserpostonkel des Rock Hard, seit dem Frühjahr 2007 Korrektör des guitar-Magazins.
Musische Tobsucht: Dampf-Drummer ohne Finesse.
Motto: „Nicht gut, aber laut!“


Wie kam es zur Idee, diese Sammlung zusammenzutragen und in Buchform zu veröffentlichen?

 

Die Idee gibt´s schon seit Ende der Neunziger. Wenn mein Leben etwas glatter abgelaufen wäre, würde das Buch allerdings bis heute nicht existieren. Nachdem ich das Rock Hard 2003 verlassen habe, entpuppte sich direkt mein erster Job in der „Freiheit“ als derartiges Fiasko, dass ich quasi als Frustbewältigung die staubigen Kisten mit dem Mumpitz-Archiv herausgeholt habe. 

 

Welcher Zeitraum erstreckte sich von der ersten Idee bis zum fertigen Buch? 

 

Zu Anfang dachte ich in meiner Naivität, in drei, vier Monaten sei solch ein Projekt druckfertig. Am Ende waren es rund zwei Jahre mit Aberhunderten von Bastelstunden. Jeder Nicht-Irre hätte in derselben Zeit vier normale Bücher geschrieben. Alleine ein halbes Jahr hab ich für die Bildbearbeitung und Restaurierung der alten Schätzchen gebraucht. Damit dachte ich, das Gröbste hinter mir zu haben. Dummerweise ist für das Layout dann ein ganzes Jahr draufgegangen. Nach den ersten fünf Wochen saß ich in einem völlig konfusen Haufen aus Fragmenten und hab die ersten miesen Entwürfe weggeschmissen. Ich hatte die Fuzzelarbeit völlig unterschätzt, all diese Schnipsel so einzupassen, dass sie logisch und lesefreundlich rüberkommen. Dafür kann ich jetzt als Geheimfavorit an der nächsten Tangram-Europameisterschaft teilnehmen.

 

Warum hast du dir mit Doktor Hammer ein Pseudonym zugelegt?

 

Doktor Hammer passte einfach wie gemalt zum Buchtitel. In Wirklichkeit ist das der Kampfname von Bernd Nickel. Ich habe unter diesem Pseudonym vor einiger Zeit mal zwei Beiträge für blutgraetsche.de geschrieben. Der Bursche hat in den Siebzigern als Bundesliga-Bulldozer von Eintracht Frankfurt Tornetze und Freistoßmauern zerfetzt, wann immer er die Pille mit seiner gewaltigen Schusskraft aus 40 Metern auf den Kasten drosch. War ein Torwächter so wahnsinnig, sich in die Flugbahn zu werfen, wurde er mitsamt dem Ball hinter die Linie gezentnert.

 

Man kann nicht nur über unwissende Zeitungsredakteure schmunzeln, häufig wird man auch mit der meist unfreiwilligen Komik unserer Metalszene selbst konfrontiert, was wohl auch so beabsichtigt ist...

 

Für viele Klischees ist die Metal-Gemeinde schon selbst verantwortlich. Natürlich gibt es massenhaft Schreibkräfte, die keinen blassen Schimmer haben, was sich alles in der Szene tut und welch ungeheure musikalische Vielfalt und künstlerische Geschichte sie repräsentiert. Aber sie kennen die Aushängeschilder. Was die Erfolgreichen von sich geben, dringt immer durch: Manowar in Talkshows, Ozzy bei EmmTeeVau, Rammstein in Neuschwanstein. Wer Interviews mit Joey DeMaio hört oder liest, der kann ja gar nicht anders, als Metaller für grunzende Affenmenschen zu halten, die in Zottelfellen rumtorkeln, stumpfe Marschmusik fabrizieren, Oma Meiers Gartenzaun als Brennholz für ihren Poser-Scheiterhaufen abreißen, alle dickbrüstigen 13-jährigen Jungfrauen des Orts auf dem Altar der Dorfkirche vergewaltigen und zum Schluss den Glockenturm mit Panzerfäusten in Trümmer legen. Sobald Tante Luise das alles beim Lesen der „Neuen Post" erst mal verdaut hat, glaubt sie auch, dass Ozzy Osbourne bei jedem seiner Konzerte auf der Bühne Schafe schlachten lässt, um in deren Blut ein Vollbad zu nehmen.

 

Besonders der „religiöse“ Teil des Buchs ist ein Schenkelklopfer – unglaublich, wie viele brave christliche Publikationen einen solchen geistigen Dünnpfiff allen Ernstes veröffentlichen...

 

Unglaublich ist eher, dass diese Leute ihren zusammengestammelten Quark immer wieder aus denselben Büchern und Flugblättern abschreiben, die bereits vor 30 oder 40 Jahren von "Experten" verfasst wurden. Da wird beispielsweise bis heute vor dem persönlichkeitszerstörenden Besuch von Beat-Konzerten und dem Tragen von Pilzkopf-Frisuren gewarnt. Angeblich bekommt man davon Arschkrebs. 50 Prozent der heute 65-Jährigen müssen demnach Blutsäufer, Lebendfleischfresser und sexuell abartige Arschkrebsopfer sein, weil sie seit damals die perverse Musik von den Stones oder Led Zep im Schrank stehen haben. 

 

Das Konzept des Buchs lässt nicht viel Raum für eigene Texte...

 

Nein, das Buch ist eine Dokumentation mit Randnotizen. Auch die Auswahl des Bonusmaterials, also rund 20 Prozent, hat sich an dem orientiert, was die Leser des Rock Hard im Laufe der Jahre witzig fanden und eingeschickt haben. Mein Spielraum war daher begrenzt, obwohl es natürlich Spaß gemacht hat, die Lücken mit beknackten Musikersprüchen oder schrägen Fotos auszufüllen. 


Alleine die Special-Thanks-Liste erstreckt sich über vier Seiten...

 

Ja, das war nötig, um möglichst alle Einsender aufführen zu können, die jemals etwas eingeschickt haben. Sicherlich ist die Liste nach so vielen Jahren nicht hundertprozentig vollständig. Aber ich hoffe doch, dass sich möglichst viele Leute wiederfinden.


Hast du als alter Szeneveteran vor, uns in naher Zukunft ein komplett selbst verfasstes Werk zu bescheren?

 

Es wird sich um einen abendfüllenden Roman handeln. Madonna kann einpacken. Der grobe Arbeitstitel lautet: „Im Bett mit Doktor Hammer“


(das Interview führte Martin Römpp vom Heavy!-Magazin)



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